Sri Lanka Vesak-Vollmondfestival  

 

Sri Lankas größtes buddhistische Fest findet immer um den Vollmond Ende April/Anfang Mai statt. Gedacht wird  der Geburt, Erleuchtung  und dem  Tod Buddhas. img_0692

 

 

Wenige Wochen nach dem Neujahrsfest findet in Sri Lanka ein weiteres Top-Event statt: das so genannte Vesak-Vollmondfestival. Vesak ist dabei die Bezeichnung für den zweiten Monat des singhalesischen Kalenders. Neujahr ist im April, der erste Monat heißt auf singhalesisch Bak, der zweite eben Vesak. Der weitere Name ist selbsterklärend: das Fest findet am Vollmondtag des Monats Vesak statt. Nun gibt es ja monatlich einen Vollmond-Tag, in Sri Lanka Poya Day genannt. Aber der Vesak-Poya hat es in sich und für die Buddhisten ist es das wichtigste religiöse Fest des Jahres. Der Grund dafür liegt darin, dass an diesem Tag im Mai Buddha

  1. 623 v.u.Z. geboren wurde,
  2. 588 v.u.Z. die Erleuchtung erfahren hat und
  3. 543 v.u.Z. dahin geschieden ist.

 

img_0664Dies leitet sich aus alten buddhistischen Schriften ab und ist unumstritten.

 

Für die singhalesischen Buddhisten aber hat dieser Tag auch eine nationale Bedeutung und ist immens wichtig für die singhalesische (nicht gesamt-srilankische) Identität.

Die Begründung: Ebenfalls an diesem Vesak-Vollmondtag soll der Stammvater der Singhalesen, der nordindische (arische) Prinz Vijaya mit 700 Gefolgsleuten auf der Insel gelandet sein und zwar genau an dem Tag, an dem Buddha starb.

Nun mag man sich ob der vielen Ereignisse an diesem Tag doch etwas wundern!

Und auch die Landung des verstoßenen Prinzen (er soll ein ziemliches Raubein gewesen sein) war im singhalesischen Selbstverständnis nicht zufällig. Buddha selbst soll auf dem Sterbebett gesagt haben: „ In Lanka, Oh Herr der Götter, wird meine Religion ihre Heimstatt finden, deshalb schützt ihn (Vijaya) und seine Anhänger nach Kräften“.

 

Allerdings findet sich in der Schrift, die die letzten Worte Buddhas überliefert, keine solche Aussage. Hier scheinen die singhalesischen Geschichtsschreiber sehr kreativ und mit viel Nationalgefühl an die Ereignisse herangegangen sein.

Übrigens: die entscheidende Chronik der Singhalesen ist die Mahavamsa. Viele sehen sie als eine Wurzel für nationalistisches, antitamilisches Gedankengut.

 

Warum ? Vereinfacht gesagt: Die Singhalesen waren nicht nur die ersten in Tambapanni (dem bronzefarbenen Land- historischer Name für Sri Lanka), sondern sie waren von Buddha auserwählt, hier seine „Religion“ (Anm.: Buddhismus als Religion zu verstehen halte ich für falsch)zu bewahren und zu schützen, insbesondere natürlich vor anderen Religionen wie dem Hinduismus. Ich will das hier nicht weiter ausführen, möchte aber nur daran erinnern, dass „auserwählte“ Völker oftmals einen Hang zur Intoleranz haben und damit Konflikte herausfordern.

 

Was passiert nun am Vesak-Fest? Traditionell werden am Vollmondtag selbst vor allem religiöse Rituale abgehalten. Die Buddhisten üben sich dabei speziell in 3 Praktiken, die auf dem Weg zur Erleuchtung unerlässlich sind und das Verlangen nach weltlichen Dingen reduzieren sollen.

Das erste Ritual dazu ist DANA. Dana bedeutet nichts anderes als Geben. In Sri Lanka ist es üblich, an Vesak vor allem Speisen und Kleidung zu spenden, also weg-zu-GEBEN. Gespendet wird an Mönche und an Arme und Bedürftige. Auf den Straßen wird man während dieses Festes viele kleine Stände finden, wo kostenlos Getränke und Essen verteilt werden. Ebenso werden größere Zelte („dan sael“) zu diesem Zweck aufgebaut. Neben den genannten Sachen werden aber auch Blumen und Blut gespendet. Gerade die Blutspende wird als am wertvollsten angesehen. Nein, nicht ganz richtig. Noch wertvoller ist die Weitergabe der Lehren des Buddhas. Zu diesem Zweck werden an diesem Tag viele kleine Büchlein verteilt.

Als zweites werden an diesem Vollmondtag vielen Menschen in weißen Kleidern zum Tempel gehen, um SIL, bestimmte Regeln, zu praktizieren. Es gibt 5, 8 oder 10 dieser Regeln, deren Befolgung auf dem spirituellen Weg unerlässlich ist. Darunter natürlich Verhaltenweisen, die Allgemeingut der Menschheit sein sollten wie nicht töten, verletzen, lügen, stehlen, fremdgehen usw.usf. Während des Poya-Days werden Laien also zum Tempel gehen und meditieren/beten, die dritte wichtige Übung an diesem Tag. Ab Mittag gibt es keine festen Speisen mehr. Üblicherweise dauert diese Fastenzeit bis zum nächsten Morgen, logischerweise ist auch nix mit Sex. Zurück zur Meditation, BHAVANA genannt.

Ohne Kontrolle über seinen Geist zu erlangen, ohne seine Gedanken und Gefühle zu reinigen, ist die Befreiung vom Zyklus von Geburt und Wiedergeburt unmöglich. Angeleitet von den Mönchen im Tempel werden sich in verschieden Meditationstechniken ausgeübt.

Am bekanntesten sind die Technik des Anapana –Konzentration auf die Atmung- und die des Metta –Konzentration auf liebevolles Mitgefühl mit Familien, Freunden, Notleidenden oder der gesamten Menschheit. „May all beings be happy!“                    

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Das Vesak-Festival ist auch ein Festival des Lichts, der Erleuchtung. Überall werden Lampen und Lampions verschiedener Größen und Gestalt aufgehängt. In jeder Familie werden die Öllampen angezündet. Die einfachste soll übrigens die Hälfte einer Papayafrucht sein, die mit Öl gefüllt und einem Docht bestückt wird. All die Lichter „geben Sri Lanka einen helllichten Schein“ (das kommt uns doch irgendwie bekannt vor).

In Tempeln ist es mitunter üblich, 84.000 !!! Öllämpchen zu entfachen, denn die Lehre Buddhas hat 84.000 Strophen.

 

Bei meinem Besuch in Sri Lanka 2006 durfte ich ein weiteres Highlight von Wesak bestaunen: ein vesak pandal. Hierbei handelt es sich um ein überdimensionales Bild, eigentlich erinnert es mehr an ein Karussell mit seinem riesigen Ausmaß von mehreren Metern in Breite und Höhe, hunderten blinkenden Birnen, bunter Bemalung und auch beweglichen Teilen. Die Bemalung stellt meist Szenen aus dem Leben Buddhas dar.

Das ganze Dorf hatte sich um das Pandal versammelt und bestaunte sein Blinken, Leuchten und auch die Töne, die es von sich gab.

Diese Pandals oder auch so genannte Vesak Kudus, riesige Lampions, werden schon Monate im Voraus gebaut. Diese Tradition reiht sich ein in vielfältige andere volks-künstlerische Aktivitäten wie Malerei, Gesang, Tanz und Dichtung. Diese werden speziell am Tag nach der Vollmondnacht ausgeübt.

Besondere Mühe macht man sich mit den Vesak-Karten (analog unserem Weihnachtsgruß).

Sie ist das wichtigste Medium, um seinen poetischen Phantasien freien Lauf zu lassen.

Mit einem solchen Wesak-Gruß soll mein Text über das größte buddhistische Fest Sri Lankas enden:

 

„Der Vollmond scheint in der Pracht dieses dreifach gesegneten Tages, Lieder zu Buddhas Ehren werden gesungen, die Blätter des Bodhibaums wiegen sich, als Gabe für den Gott werden überall Lampen entzündet, viel Glück, Gesundheit und Erfolg wünsche ich Dir mehr und mehr.“ ( Quelle: Disanayaka, Vesak Fullmoon Festival)

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